Die Geschichte der Engelsburg Erfurt

  • um 1125 Ob die Engelsburg damals ein Hospital war, sie wurde im Volksmund „Elendsherberge“ oder „Elendsburg“ genannt, ist heute umstritten. Sie soll von einem Priester namens Erkenknecht gestiftet worden sein. Wissenschaftlich bewiesen ist aber, dass das „Steinhaus“ das älteste erhaltene Haus dieser Art in Deutschland ist.
Tor mit Allenblumen-Wappen

Tor mit Allenblumen-Wappen

  • 1383 Die erste Erwähnung des Grundstückes „Engelsburg“.
  • 1400 Johann von Allenblumen errichtet ein Haus, dem er den Namen „Zur Engelsburg“ gibt. Sein Wappen ziert heute noch das älteste erhaltene Tor in Erfurt.
  • 1514 Dr. med. Georg Sturz erwirbt das Anwesen. Er ist einer der reichsten Bürger Erfurts und von 1516 bis 1526 Rektor der Universität. Sturz gilt als Mäzen der Erfurter Humanisten.
  • 1515 Die Philosophen und Humanisten Cortus Rubianus und Ulrich von Hutten schreiben im „Dunstkreis“ der Engelsburg ihre berühmten Dunkelmännerbriefe – die größte Satire deutscher Literatur – und setzen dem Erfurter Humanismus ein unvergängliches Denkmal.
  • 1516 Der Zweite Mutianische Kreis trifft sich regelmäßig unter dem Patronat von Sturz und dem Vorsitz von Eobanus Hessus im „Humanistenerker“ der Engelsburg. Er entwickelt sich zum bedeutendsten Zeugnis des Erfurter Hochhumanismus.
  • 1519 Die Humanisten gewinnen durch die Studienreform von Justus Jonas – sie bricht die Vorherrschaft der Scholastik an der Erfurter Universität – bedeutenden Einfluss.
  • 1521 Justus Jonas, Euricius Cordus und Cortus Rubianus verlassen wegen ständiger Angriffe der altkirchlichen Partei die Universität Erfurt – ein substanzieller Aderlass für den Humanistenkreis.
    Studentenrevolte in Erfurt und Spaltung des Humanistenkreises in die Parteien Johannes Lang und Eobanus Hessus.
  • 1526 Hessus verlässt die Universität Erfurt – es erfüllt sich das Schicksal der Humanisten in Erfurt.
  • 1537 Luther weilt, von einer Krankheit niedergestreckt, in der Engelsburg bei Dr. med. Georg Sturz.
  • 1595 Der Glockengießer Eckart Kuchen erwirbt das „Schwarze Ross“ – in diesem Gebäude befindet sich auch der ehemalige „Humanistenerker“.
Tabaklager

Tabaklager

  • 1763 Der belgische Handelskaufmann Levinus van Wynendael erwirbt mehrere Grundstücke auf dem Gelände der Engelsburg und errichtet 1767 ein Tabakgeschäft mit einer der ersten Tabakmühlen in Deutschland.
  • 1776 Der aus Arnstadt zugezogene Kaufmann Ernst Gottlob Hoffmann übernimmt das belgische Tabakgeschäft und fusioniert 1788 mit seinem Kompagnon Friedrich Triebel zu dem bald deutschlandweit bekannten Unternehmen „Hoffmann & Triebel“. In den folgenden Jahren vergrößert sich das Gelände der Tabakfabrik so sehr, dass der gesamte bauliche Bestand der Engelsburg einbezogen wird.
  • 1936 Die Tabakfabrik geht ein. Gleichzeitig stellt der Grundbesitzbeirat der Stadt Erfurt fest, dass sich alle Gebäude der Engelsburg in einem mangelhaften Zustand befinden, aber auf Grund ihrer kulturhistorischen Bedeutung für die Stadt erhalten bleiben sollen.
Allerheiligenstraße mit Haus „Zur Engelsburg“

Allerheiligenstraße mit Haus „Zur Engelsburg“

  • 1937 Die Stadt Erfurt kauft das Grundstück.
    Die Idee, hier eine historische Gaststätte zu schaffen, wird nicht realisiert. Durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre verschlechtert sich der bauliche Zustand der Gebäude mehr und mehr.
  • 1952 Es erfolgt der Abriss des Hauses „Zur Engelsburg“.
  • 1956 Es wird erwogen, die verbliebenen Gebäude der Engelsburg als Sitz des Rektors der Medizinischen Akademie Erfurt zu nutzen. Acht Jahre später erfolgt die bauliche Sicherung und Wiederherstellung des Komplexes.
Gründungsurkunde 4. März 1968

Gründungsurkunde 4. März 1968

  • 1965 Zwischen dem Rat der Stadt Erfurt und der Medizinischen Akademie wird ein Vertrag über die Nutzung der Humanistenstätte abgeschlossen.
  • 1968 Der mittelalterliche Keller und die Obergeschosse werden zu Studentenklubräumen ausgebaut, das Fachwerk wird freigelegt. Insgesamt leisten die Studenten 6426 Stunden in freiwilligen Arbeitseinsätzen. Am 4. März 1968 wird der „Studentenclub Engelsburg“ durch den Prorektor für Studienangelegenheiten, Prof. Dr. med. habil. Panzram, eröffnet.
  • 1990 Der „Studentenclub Engelsburg“ wird ein eingetragener Verein.
Club-Ausweise

Club-Ausweise

  • 1993 Die Medizinische Akademie / Medizinische Hochschule Erfurt, die bis dahin Träger des „Studentenclub Engelsburg“, wird abgewickelt.
  • 1994 Ein zweiter Verein – der „Förderverein Humanistenstätte Engelsburg e.V.“ wird gegründet. Er macht sich zur Aufgabe, das Gebäude einer Sanierung zuzuführen und die humanistischen Traditionen der Engelsburg zu pflegen.
  • 1996 Der Verein trägt fortan den Namen „Studentenzentrum Engelsburg e.V.“ und führt die Weiterentwicklung des Hauses zu einem Kulturzentrum und Anlaufpunkt vieler junger Menschen fort.
  • 1996 Der erste festangestellte Mitarbeiter wird eingestellt. In den nächsten Jahren wird der Mitarbeiterstamm auf zwischenzeitlich 25 fest- und ca. 30 geringfügig Beschäftigte ansteigen.
  • 1997 bis 2000 Umfangreiche Umbaumaßnahmen und die fast vollständige Restaurierung des Gebäudeensembles Engelsburg mit Ausnahme der Bohlenstube im Humanistenerker werden vorgenommen.
    Im Nebengelass Scheune entstehen das ISIZ (Internationales StudienInformationsZentrum) und Wohnheimplätze für Studierende. Im Dezember 2000 wird die Gaststätte „Steinhaus“ eröffnet.
  • 1999 Das Café „DuckDich“ wird nach Sanierung eingeweiht. Hier finden seit dem Veranstaltungen unterschiedlichster Art statt. Das Café hat seinen Namen durch einen großen Balken, der sich quer durch den gesamten Raum zieht und die Gäste zum Kopf einziehen zwingt.
  • 1999 Die SemesterEröffnungsParty auf dem Petersberg mit Livemusik wird geboren. Seither musste aufgrund immer steigender Besuchszahlen in andere Lokalitäten ausgewichen werden, so reichte 2005 schon die Uni-Mensa nicht mehr aus und man beschloss in die Thüringenhalle zu wechseln. Mit 2500-3000 Besuchern ist der SEPPL somit Thüringens größte Indoor-Studentenparty.
  • 2000 Im Nebengelass Scheune entstehen das ISIZ (Internationales StudienInformationsZentrum) und Wohnheimplätze für Studierende.
  • 2000 Im Dezember wird die Gaststätte „Steinhaus“ eröffnet.
  • 2003 Der Verein erhält nach intensiven Verhandlungen einen Mietvertrag für das Gebäudeensemble. Dieser gilt bis 2033 und schafft damit langfristige Planungssicherheit.
  • 2005 Gründung des Fördervereins „Engelsburg- die Alte(N) e.V.“ durch ehemalige Medizinstudenten der Jahre 1968 bis 1994 mit dem Ziel die Geschichte der Medizinischen Akademie und des Studentenclubs aufzuarbeiten
  • 2008 Feierlichkeiten zum 40jährigen Bestehen des Studentenzentrum unter dem Motto „Würzig mit 40!“
  • 2008 Am Erfurter Hauptbahnhof wird unter der Federführung des Studentenzentrums der Hochschulladen „WIESEL“ als ein Kooperationsprojekt mit der Universität Erfurt, der Fachhochschule Erfurt, dem Studentenwerk Thüringen und der Stadt Erfurt eröffnet.
  • 2009 Das Studentenzentrum eröffnet an der Universität Erfurt ein Bistro Namens „Strandburg“ in der Sporthalle des USV Erfurt e.V., muss dieses aber im Herbst wegen rechtlicher Bedenken wieder schließen.
  • 2010 Der Hochschulladen zieht vom Hauptbahnhof in die Engelsburg um und wird mit leicht abgeändertem Konzept zukünftig unter dem Slogan „WIESEL – alles rund ums Studium“ vor allem für die Begleitung der Studierenden der Erfurter Hochschulen tätig sein.
  • 2010 Das Studentenzentrum Engelsburg erhält erstmalig die Auszeichnung ÖKOPROFIT® . Dies ist ein ÖKOlogisches PROjekt Für Integrierte UmweltTechnik,und somit ein Umweltberatungsprogramm zur erfolgreichen Umsetzung des betrieblichen Umweltschutzes verbunden mit dem Ziel, Kosten in den Unternehmen zu senken.
  • 2011 Die Gaststätte „Steinhaus“ besteht nun schon 10 Jahre und erfreut sich mit ihrem schönen Biergarten vor allem in den Sommermonaten eines enormen Zustroms an Gästen.
  • 2012 Das Studentenzentrum bemüht sich um eine Umorientierung hin zu Nachhaltigkeit und Regionalität der Angebote und bringt dies unter anderem mit der ab März gültigen Speisekarte der Gaststätte „Steinhaus“ zum Ausdruck.
  • 2013 Der Verein wird sein 45jähriges Bestehen feiern.